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Ortsgruppe Nürtingen

Energie: Erzeugung, Effizienz und Sparen

Energie: Erzeugung, Effizienz und Sparen

Szenario 1: Technologische Innovation und konsequente Einsparrungen (Überschuss von 23 GWh ohne Biomasse, 53 GWh mit Biomasse) Grafik: Menuet

Solarstadt 2046 – Das Modell der Zukunft

Zur Überprüfung der Ideen der "Solarstadt 2046" hat die Ortsgruppe Nürtingen ein innovatives Computer-Modell entworfen. Die Datenbasis sind umfangreiche lokalen Daten wie beispielsweise die bereits mit PV-Anlagen bedeckten Dachflächen ebenso wie die bislang ungenutzten Dächer. Hinzu kommen die bundesdeutschen Durchschnittswerte zu CO2-Emissionen pro Kopf (Umweltbundesamt) sowie wissenschaftliche Effizienz-Studien im Bereich Energiespeicher und E-Mobilität. Die sich daraus ergebenden Einsparpotentiale wurden anschließend mit den Klimazielen, die eine globale Erwärmung um +2°C anvisieren, abgeglichen. Das Solarstadtmodell ergänzt diese Daten um lokale Begebenheiten und liefert so Aufschluss darüber, wie die Ziele des zukunftsgerichteten Projektes „Solarstadt Nürtingen 2046“ erreicht werden können und wie jede/r seinen bzw. ihren Beitrag zum Gelingen leisten kann.

Folgende Ergebnisse konnte das Modell bisher liefern:

Szenario: Technologische Innovation

Durch eine rein technologische Lösung (Netzumbau, flächendeckende Energiespeicher, Solarpanele auf allen Dächern und Parkplätzen sowie 100% Elektromobilität) können 1 – 2 Tonnen COder Gesamtemission pro Kopf von 12 Tonnen CO2/Kopf/Jahr eingespart werden. Jedoch zeigt die Erfahrung, dass die positiven Effekte dieser Einsparung durch den sogenannten Rebound-Effekt neutralisiert bzw. ins Gegenteil verkehrt werden. Denn das eingesparte CO2   wird an anderer Stelle um mindestens den gleichen Faktor mehr emittiert, z.B. wenn die Heizkosten durch eine gute Dämmung sinken, wird der Überschuss für eine zusätzliche Flugreise ausgegeben, die ursprüngliche CO2-Einsparung ist damit hinfällig.

Zudem benötigt diese scheinbar einfache Lösung einen ungeheuren Umfang an (innovativer) Technologie, Zeit, kompetenten Handwerkern und Investitionen sowie mutige politische Weichenstellungen, die die drängendsten Probleme angehen, statt sie in die nächste Legislaturperiode zu verschieben. Die notwendigen infrastrukturellen Veränderungen umfassen die Verlegung von dickeren Kupferkabeln, mit denen die Verluste bei der Stromübertragung minimiert werden können, die Entwicklung und Zertifizierung von Smartgrids sowie die Ausarbeitung von Konzepten, mit denen die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleistet werden kann. All diese Maßnahmen lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen und benötigen eine enorme Entwicklungszeit. Bis dann die ersten Effekte zu erkennen sind, wird wiederum viel Zeit vergehen. Daher bleibt die Frage, ob es für dieses Szenario nicht schon zu spät ist …

Szenario: Technologische Innovation + Änderung der Lebensgewohnheiten

Mit ergänzenden Maßnahmen zusätzlich zum "Technologischen Szenario" wie einer umfassenden Gebäudedämmung, einer Halbierung der Wohnfläche sowie des Pro-Kopf-Stromverbrauchs und einer Reduzierung der mit dem PKW zurückgelegten Kilometer pro Tag von aktuell durchschnittlich 21 km auf 5 km können insgesamt 3 – 4 Tonnen eingespart werden. Mit diesen umfassenden Maßnahmen wäre es zudem möglich, den Stromverbrauch aller Einwohner/innen Nürtingens aus dem lokal erzeugten Strom zu decken. Nürtingen wäre damit autark im Hinblick auf die Energieversorgung (die betrifft die Erzeugung von Wärme, Strom und die Mobilität).

Wer zudem dazu bereit ist, seinen Lebensstil zu ändern (d.h. weniger zu konsumieren, Flugreisen und den Fleischkonsum zu reduzieren, größtenteils auf Autofahren zu verzichten sowie die Wohnfläche zu halbieren), kann bereits heute den eigenen CO2-Fußabdruck auf 4 Tonnen CO2/Jahr verringern. Diese Einschränkungen bedeuten jedoch keinesfalls nur Verzicht, sondern bereichern das Leben und erweitern den eigenen Horizont.

Positive Zeichen

Eine Befragung der Solarbrunch-Teilnehmer/innen (4/2018) zu ihrem Lebensstil ergab eine durchschnittliche Pro Kopf-Emission von 15 Tonnen CO2. Nachdem den Besucherinnen und Besuchern die oben genannten Zusammenhänge aufgezeigt wurden, war eine Bereitschaft zur Änderung des Lebensstils erkennbar, die zu einer rein rechnerischen Reduzierung des ökologischen Fußabdruckes von 15 auf 7 Tonnen CO2 im Jahr 2046 führen würde. Ein Wert, der Hoffnung gibt, aber noch weit entfernt ist von dem ursprünglichen Ziel der Klimaschutzkonferenz in Paris, die eine maximale Emission von 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr bis 2040 vorsah, um die Klimaerwärmung auf 2°C zu begrenzen. Diese Werte sind jedoch überholt, da dieses Ziel nur mit einer maximalen Emission von 0,5 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr erreichbar ist.

 

Diesen Fragen müssen wir uns stellen:

  • Wie können wir den Ausbau von Photovoltaikstrom in Nürtingen beschleunigen, indem insbesondere auf den asphaltierten Freiflächen und privaten Dachflächen PV-Anlagen installiert werden?
  • Verschließen wir bewusst die Augen vor der Ernsthaftigkeit der Folgen der Klimaerwärmung?
  • Sind wir zu konsumorientiert und haben es uns in unserem Lebensstil so sehr gemütlich gemacht, dass  Alternativen zum bisherigen Lebensstil einfach ignoriert werden?

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